CHARLES BAUDELAIRE

Veröffentlicht: 11. Mai 2016 in Heinz Duthel

Charles Baudelaire – Leben und Schaffen Kindheit Charles Baudelaire (so sein Name in der Literaturgeschichte) war das einzige Kind aus der späten zweiten Ehe eines wohlhabenden und kunst- und literaturliebenden ehemaligen Verwaltungsbeamten sowie dessen 34 Jahre jüngeren Frau, die als Tochter einer englischen Mutter in London geboren war und ihrem Sohn früh das Englische nahebrachte. Im Alter von sechs Jahren wurde er durch den Tod seines knapp 68-jährigen Vaters Halbwaise. Zusätzlich traumatisiert durch die rasche Wiederheirat seiner Mutter mit dem autoritären und ehrgeizigen Offizier Jacques Aupick sowie durch Umzüge von Paris nach Lyon (1832) und wieder zurück nach Paris (1836), entwickelte er sich zu einem schwierigen, sich ungeliebt und wurzellos fühlenden, oft depressiven Jungen, den man in Internate abschob und der kurz vor dem Baccalauréat (Abitur) noch wegen Ungehorsams von der Schule verwiesen wurde. Jugend Nachdem er als Externer 1839 das „bac“ dennoch abgelegt hatte, schrieb er sich für ein Jurastudium ein, das als Vorbereitung für die von den Eltern gewünschte Diplomatenkarriere dienen sollte. Da er selbst sich jedoch schon als angehenden Schriftsteller sah, trieb er sich meist in der Pariser Literaten- und Künstler-Bohème herum und schrieb Gedichte (was er spätestens seit 1838 tat). Daneben machte er Schulden, rutschte in ein Verhältnis mit einer Prostituierten und zog sich eine Syphilis zu. Auf Drängen seiner Mutter und vor allem seines Stiefvaters, der inzwischen General geworden war und sich des offenbar missratenden Stiefsohnes schämte, trat Baudelaire im Juni 1841 eine Schiffsreise an, die ihn bis nach Indien führen und auf andere Gedanken bringen sollte. Er fuhr aber nur bis zu den Inseln Mauritius und La Réunion im Indischen Ozean mit, wo er einige Wochen verbrachte und von der tropischen Natur in seiner Vorstellungswelt geprägt und zu Gedichten inspiriert wurde. Der scheiternde Dandy Als er nach gut acht Monaten zurückkam, gelobte er seinem Stiefvater zwar Besserung, schloss sich aber rasch wieder der Bohème an. Nach Erreichen der Volljährigkeit 1842 verlangte er seinen Anteil am Erbe des Vaters (sehr stattliche ca. 75.000 Francs) und begann das Geld in einer luxuriösen Dandy-Existenz zu verschleudern. Tatkräftige Unterstützung dabei erhielt er von seiner neuen Geliebten, der Schauspielerin Jeanne Duval, einer Mulattin, deren exotische Schönheit er bedichtete. 1844 ließ ihn die besorgte Familie gerichtlich unter die finanzielle Vormundschaft eines Notars stellen, was ihn zutiefst kränkte und vielleicht 1845 zu einem Selbstmordversuch beitrug. Immerhin garantierte ihm der verbliebene Rest des Erbes eine kleine Rente, von der eine sparsam wirtschaftende Einzelperson durchaus hätte leben können. Der Schriftsteller Seine Schriftstellerei, die er nun systematischer und berufsmäßig zu betreiben versuchte, blieb wenig einträglich. Immerhin konnte er sporadisch Gedichte in Zeitschriften unterbringen. 1846 und 1847 erschienen, ebenfalls in Zeitschriften, als seine einzigen etwas längeren erzählenden Texte zwei Novellen: die hübsche, angeblich aus der Antike stammende, raffiniert durch angebliche Textlücken zerteilte Liebesgeschichte Le jeune enchanteur („Der junge Verzauberer“) und die zunächst abgelehnte und dann mehr per Zufall gedruckte Künstlernovelle La Fanfarlo, die witzig verschlüsselt und voll funkelnder Selbstironie Baudelaires Metamorphose vom dichtenden Dandy zum fast verbürgerlichten Autor und Quasi-Ehemann zu spiegeln scheint. Einige Dramenentwürfe, die er zwischen 1843 und 1854 skizzierte, darunter ein Stück La Fin de Don Juan, blieben Projekt, ebenso die vielen Skizzen zu weiterer Prosa. Eine gewisse Anerkennung fand er lediglich mit den Berichten über Kunstausstellungen (Salons), die er ab 1845 mit zunehmender Kompetenz verfasste. Da er sich andererseits aber den Konsum von Haschisch, Opium und Alkohol angewöhnt hatte und auch Jeanne Duval aushielt, war er ständig in Geldnot, was wiederum seine Neigung zu Depressionen verstärkte.

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